Aus der 125-jährigen Geschichte der Ortsgruppe Eningen

Als im Jahre 1888 in Plochingen das erste Treffen zur Bildung einer Vereinigung von Verschönerungsvereinen stattfand, war einer der 12 Teilnehmer der Eninger Kunstgärtner Wilhelm Rall. Diese Zusammenkunft führte zu einer Hauptversammlung im Mai 1889, die den Beginn des Schwäbischen Albvereins auch in Eningen u. A. bedeutete. 1889 waren 3 Männer und der Verschö-nerungsverein die ersten Mitglieder. Als Vertrauensmann wurde Gemeindepfleger Viktor Fausel benannt als Vertreter des Eninger Verschönerungsvereins. In der 1. Ausgabe der „Blätter des Schwäbischen Albvereins“ kann man auf Seite 8 nachlesen: „Zur Erleichterung der Beitrittserklärung werden in den Städten Vertrauensmänner aufgestellt, welche auch den Einzug der Jahresbeiträge besorgen. Als Vertrauensmann wird jeder Vorstand eines zum Albverein gehörigen Verschönerungsvereins angesehen“.
Blättern wir in der Geschichte des SAV noch etwas weiter zurück: Verschönerungsvereine entstanden entlang des Albtraufes etwa ab 1840, in Eningen u. A. 1885. Diese hatten einzelne Wege zu Sehenswürdigkeiten ausgebaut, doch es gab keine Verbindungen zwischen den einzelnen Gebieten der Verschönerungsvereine. In den meisten deutschen Mittelgebirgen waren bis 1888 Mittel-gebirgsvereine entstanden. Das eigentliche Wandern war hierzu-lande fast unbekannt. Der Fremdenverkehr richtete sich mehr zum Schwarzwald, zu den Alpen oder zum Rhein hin. Zum Image der Schwäbischen Alb hat der Begriff „Rauhe Alb“ und dessen Verbreitung durch den Geographieunterricht beigetragen. Diese Gegebenheiten, neben einer wiedererwachten Hinwendung zur Natur, führten am 12.11. 1988 zu einer „Versammlung von Abgeordneten der Verschönerungsvereine am Albtrauf“, zu der „alle Freunde der Alb“ willkommen waren. Wichtigste Beschlüsse der Tagung waren die Ausdehnung des Vereins über die ganze Alb und eine Vergrößerung des Tätigkeitsfeldes über das der bisherigen Verschönerungsvereine hinaus.
Doch zurück zum Eninger Schwäbischen Albverein. Wie lange Viktor Fausel als Vertrauensmann wirkte ist nicht mehr genau zurückzuverfolgen. Sicher ist, dass 1897 als Vertrauensmann der Mitbegründer Wilhelm Rall, jetzt Privatier, wirkte. Er führte den Verein bis 1908. Im Jahre 1908 übernahm der damals 34jährige Wilhelm Failmezger, Bauinspektor, das Amt des Vertrauensmannes. Seinerzeit waren vom Schwäb. Albverein auf Eninger Gemarkung bereits 9 km Wanderwege erbaut und das schöne Wandergebiet rings um Eningen unter Achalm mit Wegweisern des Schwäbischen Albvereins versehen.
Der Vertrauensmann Wilhelm Failmezger leitete das Schiff durch zwei Weltkriege hindurch in vorzüglicher Weise. Nach dem ersten Weltkrieg gab es einen Aufschwung an Aktivitäten und damit auch an Mitgliedern. Von Anfang an wurde jeden Monat mindestens eine gemeinsame Wanderung durchgeführt. Der Vertrauensmann sah darauf, dass die Geselligkeit nicht zu kurz kam. Viele gemeinsame Veranstaltungen mit anderen Ortsgruppen des Albvereins oder befreundeter Vereine fallen in diese Gründerzeit.
Die Eninger Weide zog immer schon die Albvereinler an und als in den Jahren des Ersten Weltkrieges „gemeinschaftliche Vergnü-gungsunternehmen“ nicht mehr angebracht erschienen, machten sich die Albvereinler, die nicht zur Wehrmacht eingezogen waren, an die Instandsetzung der Albvereinswege und an eine voll-ständig neue Wegbezeichnung rund um die Eninger Weide.
1924 zählte die Eninger Albvereins-Ortsgruppe bereits 123 Mit-glieder. Ein Jahr vorher gründeten einige hiervon einen Schneelaufverein, der sich u.a. damit hervortat, dass er zusammen mit dem Uracher Schneelaufverein Skiwege auf der Reutlinger und Uracher Alb aussteckte. In den 20er und 30er Jahren wurden die Jahresschlussfeiern des Albvereins zu kulturellen Höhepunkten im Gemeindeleben, häufig mit einem Theaterstück, immer in gutem Zusammenwirken mit den anderen Eninger Vereinen. Teilweise waren die Veranstaltungen in der Traube-Post so gut besucht, dass die Eninger selbst kaum mehr Platz fanden.

Das Dritte Reich mitsamt dem 2. Weltkrieg trug nicht zur Förderung unseres Vereinslebens bei. Eine eigenständige Jugendarbeit wurde gänzlich verboten. Zu dieser Zeit waren nicht-national-sozialistische Vereine suspekt, immer wieder versuchte der NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen) mehr Einfluss auf den Albverein zu nehmen. Die Selbständigkeit des Albvereins allgemein und in Eningen konnte jedoch bis zum Ende des Dritten Reiches erhalten werden. Das Vereinsleben be-schränkte sich nun auf Wanderungen im allerengsten Kreise. Auf die Eninger Weide stieg man mindestens einmal im Jahr hinauf. Die Kreuze hinter so vielen Namen von Mitgliedern, die Schre-cken und Nöte ließen für andere Veranstaltungen keinen Raum. Nähere Einzelheiten zu dieser, auch für uns schwierigen Zeit können Sie dem Vereinsblatt II, der Jubiläumsausgabe des Schwäbischen Albvereins entnehmen (Nr.3/4 1988).
Die französische Militärregierung hatte die Genehmigung auf Wiederzulassung erteilt. Am 28.12.46 fand im Gasthaus Krone eine Nachkriegsgründungsversammlung statt, aus der als Ver-trauensmann erneut Wilhelm Failmezger – inzwischen 72 Jahre alt – hervorging. Tatkräftig machte er sich an den Wiederaufbau der Ortsgruppe. Die mangelnde Gesundheit zwang W. Failmezger das Amt an Karl Mayer zu übergeben. In Siegfried Moser, Norbert Kühne und Bruno Ungerer fand er Mitglieder, die junge Menschen begeistern konnten und die viele Jahre eine überaus lebendige Jugendgruppe führten. Hermann Kalbfell löste 1952 Karl Mayer ab, er rief u. a. wieder eine Skigruppe ins Leben. Karl Rein übernahm als bisheriger Schriftführer und früherer Jugendleiter für ca. 1 Jahr das Amt des Vertrauensmannes. Emil Dollinger, langjähriger Naturschutzwart löste ihn ab. Er pflegte die Jugendarbeit in starkem Maße weiterhin. 1961 hatte die Eninger Ortsgruppe vorübergehend keinen Vorstand – auch das gab es.
In den 50er und 60er Jahren waren in alter Tradition die Theater-spiele ein Anziehungsmittel im Albvereinsleben. Die Jugendlichen und Schüler wanderten oft im Gebirge, viele schwärmen heute noch davon. Das Volkstanzen wurde in zwei Gruppen – Schüler und junge Erwachsene – eifrig betrieben. Auf dem Stamm der Jugendlichen aufbauend gewann der Albverein unter dem neuen Vertrauensmann Hans Schenk neues Profil. 1966 wurde eine Baracke auf dem Gelände des ehemaligen Lagers St. Johann gekauft . 6 Jahre später wurde mit der Planung, 1973 mit den Arbeiten für das Wanderheim Eninger Weide begonnen, das 1975 eingeweiht werden konnte. Die eifrigsten „Bauherren“ waren neben dem Vertrauensmann Dieter Beck, Herbert und Hans-Dieter Dingler, Albrecht Guhl, Josef Härle, Gerhard Ernst, Walter Reinhardt. Die Frauen nähten, strickten und bastelten für weihnachtliche Basare, um so dem Verein Geld zuzuführen. Die vielen anderen Helfer und Spender hier aufzuzählen, ist leider nicht möglich. Sowohl die Baracke als auch das neue Wanderheim trugen zur Festigung und Ausweitung des Vereins ganz wesentlich bei. Selbst während der Bauzeit kamen die Wanderungen nicht zu kurz. In die Vorstandszeit von Hans Schenk fielen auch die Wiedergründungen diverser Gruppen. 1969 vertrat der Albverein, zusammen mit anderen Vereinen, Eningen bei der Partnerschaftsbegründung in Charlieu. Seit dem Wandertag in Reutlingen 1977 besteht eine gute und enge Beziehung zum Eggegebirgsverein in Bad Driburg.
1982 wurde HP Hofmann Vertrauensmann. Er vollendete Aufgaben am Wanderheim, u.a. Bau des Gerätehauses. Im „Spital“ wurden Räume für die Gruppenarbeit gefunden und ausgebaut. 1988 löste ihn der langjährige Vizevorstand Josef Härle im Amt des Vertrauensmannes ab. Ab dem Jahr 1990 waren jeweils 2 bis 4 gleichberechtigte Vorstände tätig. Als geschäftsführende Vor-stände waren Thomas Zepf, Vroni Geiger/Kirsch, Karlheinz Bräuning, HP Hofmann und bis heute Ingo Ruf tätig. In diese Ära fällt die Generalsanierung des Wanderheimes, u.a. mit rollstuhlgerechtem Eingang, WC und geteerter Auffahrt. Die Mundharmonika- und die Discgolfgruppe wurden gegründet. Die heutige Mitgliederzahl liegt bei ca. 560 Mitgliedern.
(HP Hofmann)