Tübinger Stäffele und Wegle

Auf unbekannten Staffeln und Wegen in Tübingen

Ende Januar nahmen 34 Mitglieder und Gäste an einem besonderen Rundgang durch Tübingen teil.
Nach der kurzen Bahnfahrt von Reutlingen nach Tübingen begrüßte Wanderführer Hermann Walz die Teilnehmer
Vorbei am Uhland Denkmal und durch die Platanenallee führte der Weg über die Neckarbrücke zur wiedereröffneten Germanenstaffel. Von dort boten sich ungewohnte Ausblicke auf die Altstadt und auf die Talniederungen des Neckars und der Steinlach.
Oben angekommen, fielen die „Villen“ der Studentenverbindungen auf. Aber auch das Gefängnis des Landgerichts, die alte Anatomie und vor allem das Gerichtsgebäude aus der Kaiserzeit sahen viele Wanderer zum ersten Mal.
Nach der Querung der Doblerstraße und dem Abstieg über die Treppenanlage der „Himmelsleiter“ in das Ammertal, war der alte botanische Garten, heute ein schöner Park, das nächste Ziel. Vorbei am Ehrenhof der neuen Aula (leider zur Zeit Baustelle) erreichte die Gruppe den Stadtfriedhof, der seit Anfang des 19. Jahrhunderts besteht. Vorbei an dem Soldatenfriedhof aus dem ersten Weltkrieg und der Abteilung X ( dem Friedhof der Anatomie) mit seiner eigenen und tragischen Geschichte, gelangte man zum Grab von Dr.hc Eugen Nägele, dem Mitbegründer des Schwäbischen Albvereins. Auch die Gräber der Familien Zundel/Bosch, Kiesinger, Wildermuth wurden betrachtet. Von den Gräbern der vielen Geistesgrößen suchte Hermann Walz die Grabstätte von Friedrich Hölderlin ( 1770 – 1843) aus und streifte kurz dessen Leben und Werk.
Vorbei am wuchtigen Klinkerbau der ehemaligen chirurgischen Klinik und an der nicht weniger beeindruckenden Nervenklinik, ebenfalls aus der Jahrhundertwende um 1900, bot sich ein wunderbarer Ausblick auf die Altstadt und „die blaue Mauer“, wie Eduard Mörike die Schwäbische Alb in seinem Buch „Das Hutzelmännlein“ bezeichnete.
Über die Frondsbergstaffel ging es hinab zur Ammer, wo ein Weg dem Flüsschen entlang führt, garniert mit Gartenhäusern, unter anderem der Verlegerfamilie Cotta, und beeindruckenden Rückfronten der Gebäude entlang der Kelterstraße.
Über die Belthlestraße führte der Weg in die Altstadt, die an diesem Tag durch einen Fasnetsumzug ungewöhnliche Geräusche und Bilder bot.
Die Reste der Stadtmauer und der Ammerkanal im Bereich des Haagtors waren Grund für einen geschichtlichen Rückblick auf diesen seit dem 12. Jahrhundert bestehenden künstlichen Wasserlauf, der zahlreiche Mühlen antrieb und auch heute ein bedutendes natürliches und belebendes Element in der Altstadt darstellt.
Eine Besonderheit war die Querung des Hasengässles oder der „sieben Wenkele“, die vielen unbekannt war. Beim „Löwen“ musste dann der Fasnetsumzug gequert werden, um hinter dem Kornhaus am Kanal entlang und vorbei an der neugotischen katholischen Kirche zum Nonnenhaus zu gelangen. Am Ende der Nonnengasse war nach Querung der Gasse hinter dem „Schimpfeck“ auch das Ende der zweistündigen Wanderung gekommen. Die Einkehr in der „Wurstküche“, dem originellen Altstadtloka,l passte zum Thema. Nach der Einkehrpause führte der Rückweg über die „Palmerstaffel“ Richtung Hauptbahnhof.
hw